FREYDIS HAMSTERY

Interview mit einer Züchterin: Diana von Freydis Hamsterzucht

Wer möchte nicht einmal hinter die Kulissen einer Hamsterzucht spitzeln  und ein paar neugierige Fragen stellen? Wir jedenfalls schon - und wir haben es auch gemacht. Welche Fragen wir gestellt haben und was wir erfahren haben, findet ihr im untenstehenden Interview.

Wann und wie bist du auf deinen ersten Hamster gekommen?

Im Jahr 2008 war meine Bartagame aus seinem Terrarium heraus gewachsen und so suchte ich nach einem neuen Bewohner. Zu dieser Zeit hatte meine beste Freundin eine süße und neugierige, Cream Hamsterdame und so fing ich an mich über diese Tiere zu informieren.


Schnell fand ich bei einem Notfallwurf den perfekten Hamster für mich. Einen kleinen, schmächtigen Cream bandet Hamstermann....meinen Laxi. Bald darauf folgte ebenfalls aus einem Notfallwurf ein Dove bandet Männchen, dieses mal ein Teddy...mein Haeri. Mit diesen beiden fing alles an und schnell wurden es mehr. Alle kamen aus Notfallabgaben und sie bezauberten mich alle auf ihre Art. Ich war mit dem Hamstervirus infiziert. 

Wie kam es vom Wunsch bis zu der Umsetzung Hamster zu züchten?

Der Wunsch zu züchten entwickelte sich allmählich. Durch den Hamsterforums-Chat kam ich in Kontakt mit anderen Züchtern und ich war begeistert von ihren Tieren und ihrem Einsatz für den Erhalt dieser wunderbaren Tiere. Ich wollte auch etwas dafür tun, dass diese Tierart weiterhin unser aller Leben schöner macht.


Eigentlich wollte ich als Pflegestelle einer der größeren Hamsterhilfen tätig werden, aber da ich zu diesem Zeitpunkt erst 19 war und ein Alter von 21 Jahren gefordert war, viel dies leider raus. Durch den Kontakt zu anderen Züchtern, fing ich an meine bisherigen Genetikkentnisse, die ich aus meinem Bio-LK hatte, auszuweiten und mich auf die Hamstergenetik zu spezialisieren.


Ich fing an Gencodes auswendig zu lernen, rechnete Würfe und Farben auf dem Papier aus und verinnerlichte alles, was ich zu lesen bekam, sowohl in Deutsch, als auch in Englisch oder Niederländisch. Die befreundeten Zuchten halfen mir sehr dabei mich in die Materie einzufinden. Nachdem dann auch die beiden Hamsterschränke fertig waren und ich mich genügend vorbereitet fühlte, ging ich auf die Suche nach Zuchttieren, die meinen Vorstellungen entsprachen. 

Wie haben deine Freunde und Familie auf deine Zucht reagiert?

Meine Familie reagierte durchweg positiv. Meine Eltern, meine Tante und auch meine Oma unterstützen die Zucht bis heute tatkräftig. Sie kümmern sich in meiner Abwesenheit um die Tiere, helfen mir beim reinigen der Gehege und schnibbeln Frischfutter, falls es bei mir in der Uni mal wieder länger dauert. Bei den Freunden war es unterschiedlich. Die einen fanden es toll, die anderen belächelten es. 


Anzumerken ist aber, dass die meisten engen Freunde, auch die, die das Vorhaben belächelten, nun selbst Besitzer einer meiner Nachzuchten sind oder es waren.

Wie hattest du dich auf deinen allerersten Wurf vorbereitet?

Ich habe mich viel mit anderen Zuchten ausgetauscht und alle Erfahrungsberichte gelesen, die ich finden konnte. Trotz alle dem war ich sehr aufgeregt bei der ersten Verpaarung, der Trächtigkeit des Weibchens und den ersten Tagen der Welpen. Dies legt sich aber scheinbar nie so ganz, denn auch heute noch ist das eine sehr spannende und aufregende Zeit für mich.

Woher hast du deine ersten Zuchttiere erhalten?

Ich bekam meine ersten Zuchttiere aus vier verschiedenen, deutschen Zuchten. Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mir als „Neu-Züchter“ vertraut haben und bereue meine Entscheidung für diese Zuchten nicht einen Tag. Die Gene dieser Tiere finden sich noch heute in meinen aktiven Zuchttieren wieder, worauf ich sehr stolz bin. 

Mal nachgezählt - wie viele Hamster leben aktuell bei dir?


Aktuell leben bei mir 7 Mittelhamster (1 Goldhamster, 6 Teddyhamster) und ein Dsungaren-Hybrid. 


Des weiteren wohnen bei mir 6 Ratten, 2 Fettschwanzrennmäuse, 3 Farbmäuse, 3 Kaninchen, 1 Bartagame, 8 Meerschweinchen, 2 Pferde und 1 Hund. 

Welcher deiner Hamster ist dein kleiner Liebling?

Einen Liebling habe ich nicht wirklich. Alle meine Tiere sind mir sehr wichtig und ich kann es mir nicht vorstellen einen zu bevorzugen, da sie alle auf ihre Art besonders sind. Auch die Tiere, die mich und meine Familie bereits verlassen mussten, werden bei uns niemals vergessen. Von allen gibt es Erinnerungsstücke, die wir uns oft anschauen und uns an unsere treuen Begleiter erinnern.

Hast du auch reine Liebhabertiere?

Ich nehme hin und wieder auch Notfalltiere auf, die dann auch dauerhaft bleiben dürfen, falls gerade Platz da ist. Diese Tiere werden natürlich nicht zur Zucht eingesetzt, da ich ihren Genpool nicht nachvollziehen kann und eventuelle Erbkrankheiten nicht auszuschließen sind. 


Auch kommt es vor, dass ich externe Zuchttiere zu mir hole, die dann aus gewissen Gründen nicht zur Zucht eingesetzt werden können. Gründe sind hier z.B. ein nicht ausreichend guter Charakter oder Körperbau oder ein zu geringes Gewicht. Diese Tiere dürfen dann trotzdem bei mir in der Zucht bleiben und genießen ihr restliches Leben als reine Liebhabertiere. 

Wie wohnen deine Zuchttiere, hast du ein seperates Hamsterzimmer?

Ja, ich habe ein extra Hamster, bzw. Tierzimmer. Dort leben meine Hamster, die Ratten und die Kaninchen. Meine Gehege sind in großen Paxschränken (auf die Seite gelegt) untergebracht. Diese habe ich mit meinem Vater selbst umgebaut.


Jedes einzelne Abteil ist 115x60 groß und ausgestattet mit einem großen Laufrad, einem Mehrkammernhaus, einem Sandbad, einer Klettermöglichkeit und mehreren Verstecken. Zusätzlich zu den Pax-Abteilen habe ich noch ein 120x60 Terrarium und ein 100x40 Aquarium, welches ich für Notfälle bereit halte. 

Welche charakterlichen und optischen Eigenschaften sind dir bei deinen Zöglingen besonders wichtig?

Ein schöner, starker Körperbau und ein rundes Bärchengesicht mit proportional dazu passenden Ohren ist sehr wichtig, aber noch wichtiger ist für mich der Charakter der Tiere. Auch wenn manche Züchter der Meinung sind, dass man charakterliche Eigenschaften nicht gezielt züchten kann, hat sich bei mir erwiesen, dass gute, so wie schlechte Eigenschaften in den Nachkommen wiedererkennbar sind. Deshalb werden Zuchttiere, die extreme Randaleneigungen zeigen oder gar beißen aus der Zucht ausgeschlossen. 


Am wichtigsten ist und bleibt aber immer die Gesundheit der Tiere. Dies gewährleistet eine krankheitsarme und langlebige Linie. 

Wie viele Mail erhältst du circa pro Woche und aus welchen resultiert dann tatsächlich eine erfolgreiche Vermittlung?

Pro Woche lässt sich diese Frage schwer beantworten. Es kommt hin und wieder vor, dass auch Anfragen kommen, wenn kein Wurf geplant ist oder im Nest liegt, aber das ist eher selten. Während der Zeit in der es einen Wurf gibt, kommen aber häufig mehrere Anfragen pro Tag.

Bei diesem Wurf habe ich es das erste mal so gemacht, dass ich auch öffentlich den Wurf angekündigt habe und vorläufige Reservierungen entgegen genommen habe. 

Wie lange dauert im Schnitt eine erfolgreiche Vermittlung von der Anfrage bis zum Auszug des Hamsters?

Oft bekomme ich schon in den ersten zwei Lebenswochen die meisten Anfragen für einen Wurf. Dann kommt es darauf an, ob der Interessent schon Hamstererfahrung hat, oder gar bereits einen Hamster von mir hat/hatte. In diesem Fall geht die Vermittlung natürlich schneller. Bei neuen Interessenten oder kompletten Hamsterneulingen kann eine Vermittlung auch gerne mal länger dauern, da ich viel Wert darauf lege die Interessenten so gut es geht zu informieren. Ich unterstütze die Neulinge in der Hamsterhaltung bei der Anschaffung und Einrichtung des zukünftigen Geheges oder gebe Tipps um die bisherige Haltung noch zu optimieren. 

Welche Kriterien muss man erfüllen um ein Hamsterchen von dir zu bekommen?

Am wichtigsten ist das erste Anschreiben, denn auch bei einer Mail zählt der erste Eindruck. Es kommen auch oft Anfragen wie: „Was kostet der Hamster? Kann ich den heute abholen?“ Auf solche Anfragen antworte ich mittlerweile nicht mehr, denn wer sich nicht mal die Zeit für ein Hallo, eine kurze Vorstellung und einen Gruß lässt, der wird in der Regel auch kein besonders großes Interesse an seinem zukünftigen Mitbewohner haben.


Am liebsten sind mir die Anfragen in denen sich der Interessent kurz selbst vorstellt, seine Erfahrungen mit Kleintieren (falls vorhanden) beschreibt und mir sagt für welchen Hamster er sich interessiert. Auf solche Anfragen stelle ich dann noch ein paar tiefer gehenden Fragen. Sobald ein Gehege vorhanden ist muss bei der ersten Vermittlung ein Foto mit einem im Gehege befindlichen DinA 4 Blatt zugeschickt werden. Das klingt zwar für manche nach einem unnötigen Aufwand, aber es ist zumindest ein Stück weit eine Versicherung, dass das Gehege der richtigen Größe von mindestens 100x50 entspricht. 


Wenn dann alles stimmt und der gewünschte Hamster auch zu den beschriebenen Haltungsvoraussetzungen passt, steht einer Vermittlung nichts mehr im Wege.  

Wie viel Betreuungsaufwand steckt von der Wurfplanung bis zum Auszug hinter einem einzelnen Wurf?

Ein Wurf macht mehr Arbeit als man denkt. Im Vorfeld zerbricht man sich oft den Kopf über die Verpaarung, den passenden Zeitpunkt für die Verpaarung, rechnet die Gene der einzelnen Tiere zusammen, um einen Überblick über die möglichen Farben zu erhalten, man bereitet die Gehege vor und und und. Die Hamsterdame braucht während ihrer Trächtigkeit besonders viel Aufmerksamkeit.


Sie benötigt zusätzliches Eiweiß, zusätzliches Nistmaterial und Futter. Wenn der Wurf dann da ist geht es weiter. Die Hamsterfamilie braucht in der ersten Zeit viel Ruhe.Sobald es die ersten Bilder der Kleinen gibt, geht es auch schon los mit den Anfragen, die alle bearbeitet wollen. Regelmäßig muss es einen Bildernachschub geben, damit alle zukünftigen Interessenten auf dem Laufenden gehalten werden. Auch der Internetauftritt auf der Homepage und bei Facebook muss immer auf dem aktuellsten Stand sein. 

Wie wählst du die Elterntiere aus und woran machst du es fest welches Hamsterkind in deiner Zucht bleiben darf?


Ich entscheide mich für die Elterntiere, die die besten Eigenschaften ineinander vereinen. Zusätzlich dazu muss natürlich noch der Genpool passen, um noch zusätzlich dazu eine schöne Farbmischung zu erhalten. Das gleiche gilt für den Welpen den ich behalten möchte. 

Welche 3 Eigenschaften sollte ein guter Interessent mitbringen?

Engagement, Ehrlichkeit, Offenheit. Solche Dinge wie Tierliebe oder ähnliches setze ich einfach mal voraus, wenn sich jemand für einen Hamster interessiert. 

Hast du rückwirkend schon einmal erfahren, dass ein Halter dich getäuscht hat?

Das ist bis jetzt noch nicht vorgekommen. 

Was war der längeste Aufenthalt in Monaten den ein Hamsterkind bei dir verbracht hat?

Schätzungsweise 5-6 Monate. 

Wie viele Hamsterkinder hast du insgesamt schon in Liebhaberhände vermittelt?

Ich habe in der Regel zwei Würfe pro Jahr. Dabei kommt es dann darauf an, wie groß die Wurfstärke ist und wie viele Notfalltiere noch dazu kommen. Ich denke es sind immer zwischen 15 und 25 Tiere im Jahr. 

Hast du dir schon unerwartet einmal eine Krankheit eingeschleppt?

Nein, das kam noch nicht vor. 

Wie oft musstest du schon zum Tierarzt?

Bis jetzt musste ich zum Glück noch mit keinem der Zuchttiere zum Tierarzt. Bei meinen Liebhabertieren gab es schon mal eine Pilzerkrankung bei zwei älteren Tieren, die aber schnell behoben war. Für den Fall der Fälle habe ich aber immer ein gewisses Polster in meinem Tierkonto. 

Fällt es dir nicht schwer Abschied von deinen Schützlingen zu nehmen?

Es fällt mir schon schwer mich von meinen Kleinen zu trennen, besonders wenn man sie über 5 Wochen aufwachsen sieht. Deshalb ist es mir umso wichtiger, dass sie ein schönes zu Hause bekommen. Wenn ich bei einem Interessenten kein gutes Gefühl habe, dann findet auch keine Vermittlung statt

Erfährst du nach der Vermittlung noch etwas von deinen Hamsterkindern?



Viele der Hamsterkinder bleiben in meinem Freundes oder Bekanntenkreis, von diesen Tieren höre ich natürlich regelmäßig etwas. Bei externen Vermittlungen ist es durchwachsen. Von den einen Abnehmern hört man noch etwas, von den anderen leider nicht mehr. Das ist zwar sehr schade, aber das lässt sich leider nicht erhindern. 

Bist du schon mal in Versuchung geraten ein Hamsterkind, welches nicht zur Zucht geeignet war, selbst zu behalten?

Das kommt immer mal wieder vor. Ich versuche dann immer diese Hamsterkinder in meinem näheren Umfeld zu vermitteln, um sie immer mal besuchen zu können und viel von ihrer Entwicklung mit zu bekommen. 

Gibt es gerade ein Hamsterkind das gerade auf der Suche ist?

Momentan sucht keiner meiner Hamster ein neues Zuhause. Aber der letzte Wurf kam am 25.11. auf die Welt. Künftig sucht sicher noch der eine oder andere Hamster ein neues Zuhause. 

Kleiner Genetikkurs: Hast du ein paar nützliche Tipps für einen Laien parat?

Auswendig lernen, Bilder von Hamstern durchstöbern, lesen, lesen, lesen und die Hamstergenetikseite www.hamstergenetik.jimdo.com im Internet durchstöbern.  Dort findet man auf jeden Fall die wichtigsten Infos zur Genetik. 

Welche Tipps würdest du jemandem an die Hand geben, der auch überlegt Züchter zu werden?

Sucht euch einen Züchter, der euch ein bisschen an die Hand nimmt. Das alles alleine aufzubauen ist nicht so leicht, wie wenn jemand mit Erfahrung euch unterstützt. Auf diesem Weg findet man leichter in die Züchterwelt hinein und bekommt schneller einen Einblick in die Grundsätze, die es unter den Züchtern gibt. 


Ansonsten ist es wichtig sich erst einmal alle Informationen zu verinnerlichen und sich mit der Materie auseinander zu setzen, bevor man sich daran macht Zuchttiere von anderen Züchtern zu erhalten.